Serie: Fehler, die man beim Thema Hörgerät machen kann. Teil 1: Der Kauf im Internet

Ein Hörgerät zu kaufen, ist eine Handlung mit einer ganz eigenen Charakteristik. Es ist nicht wie bei einer Flasche Wein oder wie beim Autokauf und es ist auch nicht wie bei einer Brille. Wer sich für den Kauf eines Hörgerätes interessiert, sollte einige Dinge beachten, denn sonst geschehen Fehler, die man am Ende bereuen könnte.

 

Ein echter Fehler ist: Man meint, man kann es im Internet kaufen

Ein Hörgerät ist ein ganz besonderes Produkt, insbesondere, weil man es eben nicht, wie so viele anderen Produkte, im Internet kaufen kann. Natürlich werden über die Suchmaschinen bei der Eingabe nach “Hörgerät” auch einige Adressen angezeigt, die angeblich Hörgeräte über das Netz verkaufen, doch beim genauen hinsehen ist das falsch.

 

Ein Hörgerät ist ein Produkt, das mittels Computer haargenau auf den individuellen Hörverlust eines Menschen programmiert werden kann. Dafür gibt es die tollen Hörakustiker, die sich mit diesem Prozedere ausgesprochen gut auskennen. Ein Hörgerät muss also programmierbar sein. Dazu ist es ein sogenanntes Medizinprodukt, d.h. es ist dafür zertifiziert worden und nur aus diesem Grunde erstatten Krankenkassen die dafür vorgesehenen Beiträge.  Die angeblichen “Hörgeräte” aus dem Internet sind alles andere als zertifiziert und zudem auch nicht programmierbar. Interessierte lesen dort von vielen Vorzügen des sogenannten “Hörgerätes”, z.B. von mehreren Programmen für die unterschiedlichen Hörsituationen, doch am Ende des Tages bekommen diejenigen, die ein “Internet-Hörgerät” kaufen lediglich einen Hörverstärker. Nicht mehr, nicht weniger. 

 

Das bedeutet, dass das Internet-Gerät nicht programmierbar ist und dass es alle eingehenden Töne und Geräusche total verstärkt an das Ohr gibt, was letzten Endes sogar dafür sorgen kann, dass man damit den noch funktionierenden Teil des Gehörs weiter schadet und eventuell zerstört. Für mich ist es ausgesprochen bedauerlich, dass z.B. institutionelle Organisationen der Hörakustiker nicht dagegen vorgeht, den Begriff “Hörgerät” als "Terminus Technicus" zu schützen, da dieses Produkt als Medizinprodukt aus den Händen eines ausgebildeten Hörakustik-Meisters/-Meisterin an den Kunden und sein Ohr/Gehör abgegeben werden muss. Man könnte z.B. dafür sorgen, dass im Internet lediglich der Begriff des “Hörverstärkers” genutzt werden darf, da er im Grunde auch wiedergibt, um welches Produkt es sich handelt: Ein nahezu alles verstärkendes Produkt, das eben NICHT programmiert und auf einen individuellen Hörverlust ausgerichtet werden kann.

 

Übrigens: Wenn Menschen für ein Hörprodukt aus dem Internet zwischen 300,- und 500,- € bezahlen, sollte ihnen klar sein, dass sie beim qualifizierten Hörakustik-Fachbetrieb ein sogenanntes “Kassen-Hörgerät” erhalten, das um Längen wertiger ist und eben voll programmiert werden kann. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten für dieses Gerät fast komplett (Ausnahme der € 10,- Gebühr). Und legt man dann das Geld für den “Hörverstärker” noch hinzu, so erhält man schon fast eine Hörlösung der Mittelklasse, die nicht nur unauffällig ist, sondern auch genau auf die eigenen Hörbedürfnisse und Höranforderungen abgestimmt ist, wie es ein Hörverstärker niemals kann.

 

Mein Tipp: Besuchen Sie eines der zahlreichen lokalen Fachgeschäfte und sprechen Sie ganz offen über Ihre Anforderungen und Absichten. Ihr toller Hörakustiker kann Ihnen viele auch ausgesprochen günstige Möglichkeiten für ein besseres Hörerlebnis sehr verständlich aufzeigen. Machen Sie niemals den Fehler und kaufen Sie ein "Hörgerät" im Internet.